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(13) Nachkontrolle und Reisestress

Es ist jetzt schon eine Weile her, aber ich gebe alles um die Erinnerungen zu Papier zu bringen, oder besser gesagt in die Tastatur.

Eine kleine Warnung vorab: Ich werde in diesem Bericht auf Details der Operation und der aktuellen Lage eingehen. Manche haben vielleicht Probleme damit so etwas zu lesen und sollten dann hier aufhören.

Mir fiel es bei diesem Artikel schwer zu entscheiden was ich Preisgebe. Ich möchte aber auch zum besseren Verständnis unserer Situation beitragen und vor allem Betroffenen einen Bericht geben wie der Verlauf ist, oder sein kann.

Stand der Dinge

Im Oktober 2021 hatten wir einen Termin für eine weitere Nachkontrolle bei unserer Frau Dr. Hase.

Mit im Gepäck hatten wir ein paar „Baustellen“ die wir vor Ort klären wollten:

  • Die kleine Maus hatte zu dem Zeitpunkt mehrmals täglich kleine Stuhlportionen oder „Schmier“ in der Windel. Das führte immer wieder zu einem sehr sehr wunden Po.
  • Wenn er sich beim Stuhlgang sehr anstrengt drückt sich ein Stück Schleimhaut heraus. Manche kennen es vielleicht ähnlich von Hämorrhoiden.
  • Es ist von der Operation ein kleiner Riss am After übrig geblieben der nicht ordentlich verheilt ist. Dieser kleine Riss ist bei der großen Operation durch „Klammern“ entstanden womit der After offen gehalten wurde um den Darm entsprechend frei zu legen. Eine dieser Klammerverletzungen ist nicht gut verheilt. Sie liegt genau am Ende des Afters Richtung Steiß.

Anreise

So ging unsere Reise nach Berlin mal wieder los.
In der Nacht vor der Abreise habe ich mir allerdings so massiv den Hals verrenkt, mich verlegen oder wie auch immer, dass ich meinen Hals kaum drehen oder bewegen konnte.
Wie das halt so ist mit 36…

Den Termin wollte ich deshalb definitiv nicht verschieben. Papa Maus konnte auch nicht einspringen. Was macht Mama Maus also? Schmerzmittel, Thermacare Wärmepflaster, Augen zu und durch.

Die Anreise war dementsprechend anstrengend. Wir sind mit der Bahn gefahren und haben in einem Hotel gewohnt das ziemlich genau zwischen Hauptbahnhof und Klinik lag.

Nach der langen Anreise hatte die kleine Maus aber noch einen sehr großen Bewegungsdrang und so sind wir noch zu einem glücklicherweise nicht sehr weit entfernten Spielplatz gegangen. Ich weiterhin mit Schmerzmittel und Wärmepflaster. So war es für mich einigermaßen OK.

Nach dem Spielen haben wir uns im Supermarkt noch etwas zu essen besorgt und sind wieder ab zum Hotel.

Die Schmerzen waren nach einer zum Glück ruhigen Nacht auch tatsächlich wieder so gering, dass es ohne Schmerzmittel ging.

Ab zur Klinik

In der Klinik angelangt hieß es dann aber natürlich wieder warten. Wir kennen es mittlerweile und mussten auch dieses Mal viele Stunden (!) Zeit totschlagen. Frau Dr. Hase steckte in einer Hirschsprung OP fest die außergewöhnlich lang dauerte.

Zeit vertreiben

Am Nachmittag waren wir dann endlich an der Reihe.

Frau Dr. Hase hat die kleine Maus gründlich untersucht und einen neuen Plan aufgestellt.

  1. Wir sollen vorerst wieder täglich Darmspülungen durchführen um das Stuhlschmieren in den Griff zu bekommen. Dafür würden wir dann das Peristeen Spülsystem verschrieben bekommen.
  2. Der 4mm Riss könnte auch verantwortlich sein dafür, dass die Schleimhaut sich immer wieder mal rausdrückt und soll daher in einer kleinen OP korrigiert werden.
  3. In dieser OP soll auch ein Medikament gespritzt werden das auch helfen soll das Ausstülpen und das Stuhlschmieren zu verringern.

Die Operation soll im neuen Jahr stattfinden und auch an einem neuen Ort. Frau Dr. Hase wechselt an eine andere Klinik. Wir gehen da natürlich mit, da es ja sie ist die entscheidend ist und nicht das Gebäude in dem sie arbeitet.
Freudig nach dem Treffen mit dieser wundervollen Ärztin, aber mit Gedanken an den nötigen kleinen Eingriff im Hinterkopf verließen wir am späten Nachmittag wieder die Klinik.

Als wir endlich am Hotel ankamen dämmerte es bereits und wir haben uns einfach noch Pizza aufs Zimmer bestellt.

Heimweg

Am nächsten Morgen wollten wir gegen 10:30 Uhr die Bahn nach Hause nehmen.

Wollten…

Es war der 21.10.2021 und das Sturmtief „Ignatz“ (den Namen musste ich noch mal googeln) fegte über Land. Diverse Bahnstrecken waren betroffen uns so fiel auch unser Zug aus!
Aus einer früheren Planung hatte ich noch eine Reservierung für die Bahn um 13:45 Uhr, aber ob die dann schon wieder fahren würde war fraglich.
Ich sah mich schon mit der kleinen Maus gestrandet in Berlin.
Ich telefonierte mir die Finger wund (geht das überhaupt noch mit Smartphones?) um Optionen zum Heimkommen zu klären:

  1. Leihwagen: Ich war nicht die einzige mit der Idee. Alle drei Leihwagen Anbieter im Hauptbahnhof hatten keine Autos mehr übrig, oder nur noch Luxuskarossen für 350 € aufwärts.
  2. Eine Freundin von mir wohnt in der Nähe von Wolfsburg. Ich könnte also irgendeinen Zug nehmen der dort hin fährt und bei Ihr übernachten. Diese Verbindung war nämlich noch befahrbar.
  3. Ein Hotel finden und noch eine Nacht in Berlin verbringen.

Ich entschied mich aber erst einmal abzuwarten ob der Zug um 13:45 Uhr nicht doch wieder fährt.
So musste ich aber erst 3 Stunden die Zeit totschlagen am Hauptbahnhof, mit Gepäck und einem 4-jährigen der absolut keinen Bock hatte herum zu spazieren.
Nach diversen Wutausbrüchen auf beiden Seiten, unnötig gekauftem Spielzeug und Mittag beim goldenen M war es dann soweit. Es hieß die Strecken sind frei und die Bahnen fahren wieder Planmäßig.

Absolut erleichtert sind wir dann um 13:30 Uhr hoch zum Bahnsteig. Der Bahnsteig war wirklich rappelvoll! Viele deren Bahn morgens ausgefallen war standen nun wie wir dort um nach Hause zu kommen. Ich war in dem Moment mehr als froh, dass ich genau für diese Bahn Sitzplätze reserviert hatte.

Voller Bahnsteig

Um 13:45 Uhr sollte die Bahn kommen, aber die Anzeige war gnadenlos:

15 Minuten Verspätung, dann

35 Minuten Verspätung, dann

50 Minuten Verspätung und letztlich mit

75 Minuten Verspätung kam dann unsere Bahn.

Der Zug war genau so voll wie der Bahnsteig, aber wir hatten unsere Plätze im Familienabteil mit zwei weiteren netten Familien. Die Kinder spielten miteinander und die Zeit ging so gut um.

Endlich im Zug

Um 19:30 Uhr sind wir endlich zuhause angekommen.
So eine heftige Hin- und Rückreise habe ich wirklich noch nie erlebt.

Und jetzt?

Aktuell bekommt die kleine Maus also jeden Abend seine Darmspülung.
Leider hat er aber bis auf wenige Ausnahmen immer noch mehrmals täglich Stuhlschmieren, obwohl er auch fast jeden Tag zusätzlich zum Spülen ganz normal zur Toilette geht.

Nächste Woche steht aber nun der kleine Eingriff an, der auch da hoffentlich die erwünschte Besserung schafft.

Ich werde auch davon wieder berichten und auch wenn ich es jedes Mal sage: Ich gebe mir Mühe dieses Mal zeitnaher einen Beitrag dazu zu schreiben.

Also bis ganz bald

Eure Mama Maus

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